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Naturheilpraxis
Karl Vetter
Lessingstr.
16 · 76709 Kronau
Tel.: 07253/3
26
27 Fax: 07253/ 95 33 19
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Die
Ausleitungsverfahren
Die klassischen Ausleitungsverfahren
der
Naturheilkunde. Unter Ausleitungsverfahren versteht man einerseits eine
Reizung und andererseits eine Ausleitung von Schlacken und Giftstoffen
über die Haut.
Die Naturheilkunde kennt verschiedene
Methoden
mit unterschiedlichem Wirkungsgrad, um diese Schlacken aus dem
Körper
zu bringen.
Es gibt Ausleitungen über die Niere,
den Darm und weniger bekannt, auch über die Haut, bzw. über
das
Blut, die Ausleitung über die Haut / Blut wird mit folgenden
Methoden
erzielt.
Paracelsus (Theophrastus Bombastus von
Hohenheim 1457-1535) ärgerte sich über das unkontrollierte
Schröpfen
und den Aderlass, da es im Mittelalter von Ärzten wohl zu
häufig
angewendet: " Nach den geldsüchtigen Sophistenärzten, soll
jedem
Aderlass eine Purgation (Darmentleerung durch z.B. Klistiere)
vorangehen.
Scheissen und Aderlassen zusammen trägt Geld in die Küche!"
Dies führte dazu, dass sowohl das
Schröpfen, wie der Aderlass in Misskredit und Verruf kamen und
diese
Methoden bis in die heutige Zeit von Medizinern abgelehnt werden.
Allen Ausleitungsverfahren ist gemein,
dass sie in der Schulmedizin wenig bekannt, ja vergessen sind und kaum
angewendet werden. Sie sind zu einem wichtigen Bestandteil der
Naturheilkunde,
wie sie von Heilpraktikern angewendet wird, geworden.
Es ist der Verdienst des Arztes B.
Aschner
(Bernhard Aschner 1883-1969), dass diese Therapien wieder Einzug,
zumindest
in die naturheilkundliche Medizin gefunden haben. Im asiatischen Raum
ist
Schröpfen sehr beliebt und wird oft vor einer Akupunkturbehandlung
durchgeführt.
1.
Das Schröpfen
Die Schröpfkopf-Behandlung
zählt
zu den ältesten Naturheilkunde-Verfahren und dies seit
Jahrtausenden.
Bei allen Völkern der Erde ist sie weit verbreitet.
| Die heilende Wirkung war bekannt
in der
chinesischen Medizin, in der Ayurveda-Medizin Indiens sowie in
Ägypten
und Griechenland.
Das älteste Zeugnis der
Schröpfbehandlung
ist ein ärztliches Siegel aus Mesopotanien aus dem Jahre 3300 v.
Chr.,
welches drei Schröpfköpfe darstellt. Der
Schröpfkopf
mit seinen verschiedenen Varianten ist wohl eines der ältesten
Instrumente
überhaupt.
Beim Schröpfen wird in einem
Schröpfglas
(Schröpfkopf), entweder durch Erwärmung oder mittels einer
Pumpe,
bzw. eines Gummiballons, ein Vakuum erzeugt. Wird der Schröpfkopf
nun auf die Haut gesetzt, bewirkt der Sog im Glas die heilende Wirkung.
Es wird zwischen trockenem und
blutigem
Schröpfen unterschieden. Beim trockenen Schröpfen
fließt
aus dem umliegenden Gewebe Blut in den angesogenen Hautbezirk hinein,
nimmt
man den Schröpfkopf ab, verbleibt ein roter bis blauroter runder
Hof,
der eine Art Bluterguss darstellt. Beim blutigen Schröpfen wird
die
Haut vor Aufsetzen des Schröpfkopfes leicht eingeschnitten, z.B.
mit
einem eigens zu diesem Zweck entwickelten Schröpfschnäpper.
Es wird ähnlich wie bei der
chinesischen
Akupunktur unterschieden zwischen Energieüberfüllung und -
Unterversorgung,
wobei das blutige Schröpfen bei Überfüllung und das
trockene
Schröpfen z.B. auf minderdurchbluteten Körperzonen angewendet
wird.
Zum Schröpfen eignen sich
bestimmte
Zonen des Körpers, so z.B.: die Head'schen Segment-Zonen.
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Unblutiges
Schröpfen
am Rücken

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(Hautbezirke entlang der Wirbelsäule,
welche den Organen zugeordnet werden können),
Bindegewebs-Reflexzonen
und fast alle
Schmerzzonen.
Schröpfen
kann
bei folgenden Erkrankungen angewendet werden:
- Alle Wirbelsäulen-Syndrome
(Lumbalgien,
Ischialgien, Brachialgien)
- Ausgleich von Fülle- und
Leere-Zuständen
der Organreflexzonen
- Alle Verspannungsschmerzen (auch
im
Brust-
und Abdominal - Bereich)
- Hypertonie und Hypotonie
- Menstruations- und klimakterische
Beschwerden
- Kopfschmerzen
- Magen- und Lebererkrankungen
2.
Die Baunscheidtsche Therapie
Wesentlich jünger wie die
Schröpfkunst
ist die Baunscheidtsche Therapie. Ihr Erfinder, der Mechaniker Carl
Baunscheidt
(1809-1873) dachte sich, was die Chinesen mit ihrer Akupunktur mit
wenigen
Nadeln erreichen, ließe sich mit vielen Nadeln, bzw. Reizen,
leichter
und schneller erzielen. So entstand die deutsche Antwort auf die
Akupunktur,
auch "Akupunktur des Westens" genannt.
Baunscheidt erfand ein
Gerät, das
er "Lebenswecker" nannte.
Es ist ein Metallgriff, an dessen
Ende
sich gut ein Duzend Nadeln befinden. Mit diesem wurde die Haut leicht
gestichelt.
Von ihm stammt auch der heute
häufiger
verwendete Roller oder Stichel mit Metallfeder, zum "Schnäppern".
Die Haut wird großflächig
mit
diesen Geräten behandelt und danach wird ein hystaminchlorid-
haltiges
Öl in die Haut einmassiert. Dieses Öl, auch als
Redskin-Öl
oder Baunscheidt-Öl bekannt, verursacht einen mehr oder weniger
starken
Ausschlag auf den zuvor gestichelten Hautpartien.
Erzielt werden mit dieser Methode
vier
Wirkungen:
1. chronische oder akute
Neuritiden werden
geheilt,
2. über die Reflexzonen werden
die
zugehörigen Organe gestärkt,
3. kann über das Vegetativum
auf
das hormonelle Geschehen Einfluss genommen werden und
4. werden aus den sich bildenden
Pusteln
Lymphflüssigkeit und Gewebeschlacken ausgeleitet.
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Baunscheidt-
„Lebenswecker“

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Während der Behandlung
verspürt
der Patient eine angenehme Wärme, danach tritt neben einer
Schmerzlinderung
häufig auch ein psychisches Wohlbefinden auf.
Für die Baunscheidtsche
Therapie eignen
sich fast alle Hautzonen, abgesehen von Schleimhäuten, die zu
empfindlich
auf das starke Öl reagieren würden.
Indikationen sind:
- gichtische
Stoffwechselentgleisungen
- rheumatoide
Schmerzzustände
- entzündliche und
degenerative Organveränderungen
- Neurodermitis und vieles mehr
Die Baunscheidtsche Therapie
erfreute sich
im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit und sie gehörte zum
Schatz
fast jeder Hausapotheke. |
Baunscheidtieren
am Rücken

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3.
Das Cantharidenpflaster
Wahrscheinlich wurde die heilende
Wirkung
durch Blasenbildung rein zufällig entdeckt. Durch Verbrennungen
oder
andere äußere Hautreizungen haben Menschen die Abheilung von
z.B. ihrer Gicht, von Rheuma oder Gelenkschmerzen bemerkt.
Die indische Medizin kannte diese Methode
bereits, allerdings nicht das Cantharidenpflaster.
Es wurde Asche mit ätzender Lauge
vermischt und auf die Haut gebracht. Blasen ziehende Pflanzen, wie
Hahnenfuß,
Seidelbastrinde, Wolfsmilch oder Giftsumach, sowie auch Meerrettich,
Pfeffer
oder Senf verwendet.
Paracelsus, sowie auch Hufeland
(1762-1836,
schrieb Standardwerke der Naturheilkunde) lobten diese Heilmethode,
ohne
welche sie nicht hätten auskommen können.
Das Cantharidenpflaster wird aus
getrockneten
Körpern der in Südeuropa heimischen spanischen
Fliege hergestellt, es ist in
Apotheken
als fertig aufgezogenes Pflaster erhältlich.
Das Pflaster wird unmittelbar auf
oder
direkt neben die krankhafte Stelle aufgelegt, üblicherweise nicht
grösser als 5 x 5 cm.
Nach einer Verweildauer von 12 -
24 Stunden
wird das Pflaster vorsichtig abgenommen. Darunter hat sich dann eine
grosse
mit seröser Flüssigkeit gefüllte Blase, gebildet. Die
Flüssigkeit
kann mit einer Spritze aufgezogen werden und zur Steigerung des
Abwehrsystems
dem Patienten gespritzt werden.
Es folgt eine gute Wundversorgung,
da
noch tagelang Flüssigkeit austreten kann. Wegen leichter
Narbenbildung,
die mit der Zeit aber wieder verschwindet, eignen sich aus
ästhetischen
Gründen nicht alle Körperstellen zur Behandlung mit dem
Cantharidenpflaster.
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Cantharidenpflaster
im LWS-Bereich

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Die Wirkung des Cantharidenpflasters ist
verblüffend,
es ist eine Art Reizkörpertherapie mit Dauerausleitung, die selbst
in hartnäckigen Fällen, wie Gelenkprozessen, Auflösung
alter
Vernarbungen, Ausschwemmung von Schlacken (Stoffwechselreste),
Lösung
von
Spasmen
(Krämpfe) und Beendigung derer Schmerzzustände,
erfolgversprechend
ist.
Die Indikationen
sind weitgefächert, so zählt Aschner unter anderen folgende
Möglichkeiten
auf:
- Ohrensausen
- Hypertonie (Bluthochdruck)
- Schwindelzustände
- Neuritis
(Nervenentzündungen)
- Gelenkschmerzen
- Gürtelrose
- Ischialgien (Schmerzen
verursacht durch
Reizung des Ischias-Nervs)
- Arthritis
(Gelenkentzündung)
- Arthrose
(Gelenkabnützung)
- Gicht
- chronische Ekzeme
- Depressionen
- Schwellungen und Prellungen.
"Es ist erstaunlich, dass man ein so
einfaches
und selbstverständliches Mittel seitens der Klinik so vollkommen
vergessen
konnte..." sagte Aschner über das Cantharidenpflaster.
4.
Der Aderlass
Der Aderlass ist aus der heutigen
Medizin
fast verschwunden, obwohl er in allen Systemen der Heilkunst vom
Altertum
über das Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert als sehr wirksames
Mittel
bei Störungen, die heute rein medikamentös behandelt werden,
z.B. Schwindel und Tinnitus (Ohrgeräusche) eingesetzt wurde.
Bei Hippokrates wurde der
Aderlass
bereits in Schriften über Technik und Methoden des Aderlassens
erwähnt.
Galen (129 n. Chr.) bezeichnete den Aderlass als eines der wichtigsten
Mittel. Die Meinung Paracelsus' wurde bereits erwähnt. Er
sträubte
sich gegen das unmässige Aderlassen, wie es im 16. Jahrhundert
üblich
war.
Einen italienischen Arzt bezichtigte
er
gar des "Vampirismus". Dies war natürlich um so mehr ein
Streitpunkt,
weil das Aderlassen damals von Badern ausgeführt werden durfte.
Interessant ist die Tatsache,
dass z.B.
in der Schweiz (Kanton Appenzell) keine Venenpunktionen oder
Spritzen
in die Muskulatur ausführen dürfen, der Aderlass hingegen ist
ausdrücklich im Gesetzestext erwähnt und erlaubt. Dies mag
verdeutlichen,
wie groß der Stellenwert der Tradition des Aderlassens heute noch
ist.
Der Aderlass wird stets am
liegenden Patienten
durchgeführt. Wenn heute überhaupt noch, dann wird er meist
in
der Ellenbeuge angewendet.
Früher wurden auch andere
Stellen,
je nach Art der Erkrankung verwendet. Es gilt die Regel, dass die Ader
so nahe wie möglich bei dem zu
behandelnden Stauungszustand zu
lassen
sei. Die Vene wird wie bei der Blutentnahme zu Laborzwecken mit einer
Staubinde
gestaut und sodann mit einer speziellen Aderlasskanüle punktiert.
Diese hat eine dreikantige Spitze und einen relativ grossen Durchmesser
für den ungehinderten Abfluss des Blutes.
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Der Aderlass

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Das Blut soll in einem Messbecher
aufgefangen
werden, "so dass es nicht plätschert", um den Patienten nicht zu
beunruhigen.
Normalerweise werden 200 - 300 ml Blut abgelassen, sodann wird die
Staubinde
gelöst und die Kanüle entfernt. Der Patient sollte danach
noch
eine Weile liegen bleiben.
Die moderne Variante des Aderlasses, das
Blutspenden, hat sogar noch einen sozialen Effekt (Allerdings
dürfen
kranke Menschen natürlich kein Blutspenden!).
Indikationen
für
den Aderlass sind:
- Stauungszustände jeglicher Art
- psychische Verstimmung
- Blutverdickung
- Kopfschmerz, Schwindel
- Schlaflosigkeit
- Asthma
- akute Infektionskrankheiten
- zu geringe Periodenblutungen und
bei
Frauen
im Klimakterium (Wechseljahre).
5.
Das Ansetzen von Blutegeln
Die Therapie mit Blutegeln dürfte
so alt sein wie die Heilkunst selbst. Es gibt keinen Heilkundigen, der
diese Form der Behandlung nicht erwähnt und auch angewendet
hätte.
Im 19. Jahrhundert wurden alleine in
Frankreich
100 Mio. Blutegel benützt, was gemessen an der Bevölkerung
einen
enormen "Pro-Kopf-Verbrauch" errechnen lässt. Selbst die Mode
machte
vor den "Tierchen" nicht halt und die Damenwelt bekleidete sich mit
Blutegel-farbenen
Mustern.
Der Blutegel (Hirudo medicinalis und
Hirudo
officinalis) ist ein schwarz-bräunlich gesprenkeltes wurmartiges
Tier,
das ca. 3 - 5 cm gross wird. Beim Biss sondert er ein stark
blutverdünnendes
Sekret - das Hirudin - ab, welches die Gerinnung verhindert. Die durch
Blutegelbisse verursachten Wunden bluten sehr lange Zeit und sind nur
schwer
zu stillen, was die Blutegeltherapie sehr zeitintensiv macht und wohl
auch
Grund dafür ist, dass sie nicht mehr so oft angewendet wird.
Das Hirudin wurde um 1900 chemisch
analysiert
und auch erstmals synthetisch hergestellt, es wurden folgende Wirkungen
festgestellt:
- Gerinnungshemmung
- Beschleunigung des Blut- und
Lymphflusses:
Lymphe und Blut fließen vermehrt in die Gewebezwischenräume,
und gelangen mit dem Blutaustritt zur Ausscheidung, dadurch
wird die Zirkulation durch Abfluss bei z.B. zu geringer
Venentätigkeit
angeregt.
- Antithrombotisch: das
heißt, Blutverklebungen
werden aufgelöst und damit die Gefahr von Embolien verringert.
- Abwehrsteigerung durch
Anregung
der Bildung
weißer Blutkörperchen.
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Blutegeltherapie
am Unterschenkel

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Lösung von
Gefäßkrämpfen,
z.B. Krampfaderschmerzen lassen deutlich nach.Die Anwendung ist
einfach,
lediglich der Ekel der Patienten muss vorab überwunden werden (der
des Therapeuten eventuell auch!). Die Tiere stammen heute aus
speziellen
Zuchten und sind in Apotheken erhältlich.
An der Stelle, wo der Blutegel angesetzt
werden soll, dürfen sich keine Salben- oder Seifenreste mehr
befinden,
weil diese Tiere sehr empfindlich gegenüber chemischer Substanzen
reagieren.
Man setzte den Blutegel mit einem Glasrohr
genau auf die betreffende Stelle, hat er sich festgebissen, wird er
beobachtete,
damit er nicht doch einmal unbefugterweise abwandert. Die Saugzeit
beträgt
ca. 15 - 60 Minuten, danach löst sich der Blutegel von selbst.
Er darf nie während des Saugens
entfernt
werden! Danach muss die Wunde solange versorgt werden, bis sie nicht
mehr
nachblutet, dies kann mehrere Stunden andauern.
Auch hier sind
die Indikationen vielfältig:
- Thrombosen
- Hämorrhoiden
- Venenentzündungen
- Krampfadern
- Furunkel, sowie alle andern unter
den
Ausleitungsverfahren
bereits genannten Indikationen.
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